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Werte

Ihre Werte beeinflussen in den meisten Fällen unbewusst Ihr Denken, Ihre Entscheidungen und Ihre Handlungen in allen Ihren Lebensbereichen. Wer sich also mit seinen eigenen Werten bewusst beschäftigt, der versteht sich selbst ganz einfach besser. Sie sehen: Es lohnt sich, die eigenen Werte zu entdecken und zu definieren. Jeder Mensch strebt danach, einer sinnerfüllten Beschäftigung nachzugehen. Jeder Mensch sucht und strebt nach Sinn in seinem Leben. Der starke Wunsch nach Sinn im eigenen Leben treibt Menschen an. Wer seine eigenen Werte in seinem Tun entdeckt, der erlebt ein sinnvolles Leben.

 

Wenn das der Fall ist, dann fühlen Sie eine Art Bestätigung oder Befriedigung, wenn Sie ein Ziel, dass Sie sich gesteckt haben, erreichen. Wenn Sie beispielsweise ein Ziel erreicht haben und dann dennoch eine Art innere Leere verspüren und fühlen, dann steht das erreichte Ziel wahrscheinlich nicht in Übereinstimmung mit Ihren Werten. Sie denken dann Gedanken wie beispielsweise „Hier stimmt was nicht“ oder „Irgendwie war das wohl trotzdem nicht das Richtige für mich“. Wenn Sie also Ihre Berufung finden wollen, dann ist es elementar wichtig, dass Sie die Gelegenheit haben, Ihre Werte in Ihrem beruflichen Umfeld zu verwirklichen.

 

Werte haben sehr starken Einfluss darauf, wie wir Menschen, Ereignisse oder Prozesse in unserem Leben wahrnehmen. Die meisten Menschen können allerdings Ihre eigenen Werte nicht benennen. Oft erkennen Sie den Einfluss Ihrer Werte erst, wenn einer Ihre Werte durch andere Menschen in einer ganz bestimmten Situation verletzt worden ist.

 

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Vorgesetzter ist noch relativ jung. Er will die Erwartungshaltung der Unternehmensleitung unbedingt erfüllen. Also arbeitet er hart und sehr viel. Er sitzt regelmäßig bis in die Abendstunden im Büro und arbeitet auch an den Wochenenden. Mit seinem Engagement möchte er alle anderen Teammitglieder inspirieren. Sie selbst sind aber verheiratet und haben 3 Kinder. Der Wunsch, mit Ihrer Familie regelmäßig Qualitätszeit zu verbringen, ist in Ihnen sehr stark ausgeprägt. Die Konsequenz aus dieser Situation ist unweigerlich ein Konflikt. Denn hier kollidieren die Werte Erfolg und Familie miteinander. Im Berufsleben ist das übrigens kein seltener Konflikt.

 

Oder nehmen wir ein anderes Beispiel aus einem anderen Lebensbereich. Wenn Kinder zu Jugendlichen werden und Jahr für Jahr älter werden, dann gewinnt der Wert Freiheit eine immer größere Bedeutung im Leben des einzelnen Jugendlichen. Der Wert Freiheit kann aber nicht einfach sofort umgesetzt und gelebt werden, denn da ist ja nach wie vor ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zu den eigenen Eltern gegeben. Die Eltern bezahlen die Rechnungen. Egal ob es um finanziellen Bedarf für die Schule, Essen & Trinken, Klamotten oder die Unterbringung im Elternhaus geht. Ohne die Versorgung der Eltern kann ein Jugendlicher in den meisten Fällen nicht leben. Die meisten Eltern wünschen sich im Gegenzug von den Jugendlichen die Einhaltung bestimmter Spielregeln und vor allem Respekt. Auch hier stehen die beiden Werte Freiheit und Respekt im Gegensatz zueinander. Konflikte sind unausweichlich.

 

Doch was genau sind Werte eigentlich? Diese Frage ist tatsächlich überaus spannend. Die wenigsten Menschen können den Begriff Werte auf der Stelle definieren. In den meisten Fällen antworten Befragte, dass Werte „etwas sind, was einem Menschen sehr wichtig ist“ oder „etwas sind, ohne dass wir nicht glücklich werden können“.

 

Aber eine klare Definition bleibt in den meisten Fällen aus. Wikipedia beschreibt Werte als Wertvorstellungen, die im allgemeinen Sprachgebrauch als erstrebenswert oder als moralisch gut betrachtete Eigenschaften bzw. Qualitäten, die Objekten, Ideen, praktischen bzw. sittlichen Idealen, Sachverhalten, Handlungsmustern oder Charaktereigenschaften beigemessen werden.

 

Puh, das ist ziemlich theoretisch, oder? Aber trotzdem stecken in dieser Definition wirklich wichtige Informationen. Werte werden in dieser Definition als erstrebenswert und moralisch gut beschrieben. Außerdem erhalten wir Informationen auf was sich Werte beziehen können. Und zwar beispielsweise auf Objekte, Ideen oder Charaktereigenschaften. Werte sind also immer positiv belegt und beziehen sich eng gefasst auf Menschen oder weiter gefasst auf menschliches Handeln. Ein Wert ist also etwas, dass für einen Menschen wertvoll ist.

 

Werte können auf im Kern auf zweierlei Art und Weise klassifiziert werden:

 

Innere Werte:

 

Ihre inneren Werte funktionieren wie eine Brille, durch die Sie das eigene Verhalten und das Verhalten anderer Menschen ununterbrochen bewerten. Ihre inneren Werte sind ein Bewertungsraster. Mit Hilfe dieses Rasters bewerten Sie, was gut, richtig oder wertvoll ist.

 

Äußere Werte:

 

Die inneren Werte werden zwangsläufig von äußeren Werten beeinflusst. Ihr Umfeld, die Kultur und die Gesellschaft, in der Sie leben nehmen starken Einfluss auf Ihre inneren Werte. Die Werte der Kultur oder der Gesellschaft, in der Sie leben, können als äußere Werte bezeichnet werden. Wenn Sie also den Lebenspartner oder den Arbeitgeber wechseln oder vielleicht sogar aus beruflichen Gründen ins Ausland ziehen, dann werden neue äußere Werte Einfluss auf Ihre bisherigen inneren Werte nehmen.

 

Praktisches Beispiel: Edward Snowden

 

Im Laufe seiner Karriere war Snowden in unterschiedlichen Positionen für verschiedene Geheimdienste tätig. In weiteren Stationen seiner beruflichen Laufbahn war er auch immer als Mitarbeiter im Bereich der Informationstechnologie für Unternehmen tätig, die in unterschiedlichen Projekten in engem Austausch mit den amerikanischen Geheimdiensten standen.

 

Im Rahmen seiner Tätigkeit hatte er Zugang zu Informationen, die als streng geheim eingestuft waren, unter anderem über US-amerikanische Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation (XKeyscore, PRISM und Boundless Informant) sowie das noch umfassendere britische Überwachungsprogramm Tempora. Snowden übermittelte diese Informationen an die Filmemacherin Laura Poitras und an den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, der sie im Juni 2013 ohne Angabe eine Quelle in Teilen veröffentlichte. Am 9. Juni 2013 gab Snowden in Hongkong seine Identität gegenüber der Öffentlichkeit preis. Am 14. Juni 2013 erwirkte das FBI mit einer Strafanzeige unter anderem wegen Spionage einen Haftbefehl gegen ihn. Snowden konnte Hongkong verlassen, saß dann aber für längere Zeit im Transitbereich eines internationalen Flughafens in Moskau fest. Während seines dortigen Aufenthalts wurde auf diplomatischer Ebene über den Umgang mit ihm gestritten. Am 1. August 2013 vermeldete die Presse, dass Snowden von Russland Asyl erhalten habe.

 

Natürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage, wieso Edward Snowden die folgenschwere Entscheidung getroffen hat, die zugleich geheimen und illegalen Aktivitäten der Vereinigten Staaten von Amerika bewusst öffentlichkeitswirksam zur Schau zu stellen. Ganz besonders, wenn man das Leben von Edward Snowden unmittelbar vor Veröffentlichung der geheimen PRISM- Dokumente betrachtet.

 

Sein Leben vor der Veröffentlichung der PRISM-Dokumente bezeichnet Snowden als sehr komfortabel. Er habe einen sicheren Job und ein Haus auf Hawaii gehabt sowie ein Jahresgehalt von etwa 122.000 US-Dollar (ca. 90.000 Euro) erhalten. Sein Spitzenverdienst in der Zeit davor habe bei 200.000 US-Dollar (ca. 153.000 Euro) pro Jahr gelegen. Eine Immobilie auf einer der schönsten Inseln der Welt und ein Jahresverdienst von bis zu 200.000 US-Dollar im Jahr repräsentieren einen wirklich außergewöhnlichen Lebensstandard. Edward Snowden lebt also seinen Traum. Er kann einen Beruf ausüben, den er liebt. Er ist ein außergewöhnlich talentierter IT- Spezialist, der in seinem Berufsfeld einen nahezu kometenhaften Aufstieg erlebt. Er erlebt Wohlstand und Reichtum. Und er lebt mit der Frau seines Lebens dort, wo andere Urlaub machen. Also alles wie im Traum, oder? Äußerlich betrachtet war das tatsächlich so. Das Innenleben von Edward Snowden entspricht dieser äußerlichen Fassade aber kein bisschen.

 

Denn das Wertesystem von Snowden ist vor allem durch Gerechtigkeit, Freiheit und Ehrlichkeit geprägt. Snowden hat sein eigenes Tun als sinnlos erlebt, weil er seine wichtigsten Werte Gerechtigkeit, Freiheit und Ehrlichkeit nicht verwirklichen konnte. Snowden wusste genau, dass die Vereinigten Staaten von Amerika letztlich die ganze Welt ausspionieren und überwachen. Er wusste genau, dass terroristische Bedrohungen nur ein Vorwand waren, um die Geheimdienste in den USA mit noch mehr finanziellen Ressourcen und Rechten auszustatten. Die Daten und Informationen, die unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus gesammelt wurden, werden aber auch heute noch schwerpunktmäßig dazu verwendet, die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten von Amerika in der Welt zu stärken. Es geht am Ende des Tages also ausschließlich um Macht und Einfluss auf der weltpolitischen Bühne. Für Edward Snowden war der Gedanke, ein Komplize dieses Systems zu sein, unerträglich. Erkennen Sie die Kraft, die Werte in sich tragen? Ihr Wertesystem übt unbewusst einen entscheidenden Einfluss auf Sie aus. So entscheidend, dass Menschen sogar dazu bereit sind, ein scheinbar perfektes Leben dafür zu opfern.